Leica Nature Ambassador Luke Massey, gebürtig aus Hertfordshire, lebt in der nordspanischen Region Asturien auf einer alten Rinderfarm, die er „Wild Finca“ getauft hat. In diesem zweiteiligen Blogbeitrag erzählt der Wildtierfilmer und -fotograf Luke von seiner Vision für „Wild Finca“ und den Tieren, die dort ihr Zuhause haben.

Ich bin in St. Albans zur Welt gekommen, und seit ich mit 12 Jahren meine erste Kamera bekam, war ich eigentlich nur noch draußen, und man konnte mich auf dem Feld finden, wo ich Hasenhochzeiten fotografierte, oder einen Fuchsbau, oder einen Flug Goldregenpfeifer. Seit damals bin ich inzwischen so privilegiert, dass ich rund um den Globus reisen konnte und unglaubliche Gegenden, Habitate und Tierarten mit Film- oder Fotokamera festhalten durfte. Doch durch den Klimawandel – und damit meine ich nicht nur das Wetter, sondern auch das zwischenmenschliche Klima, das in der Pandemie sehr gelitten hat – und die damit einhergehenden Reiserestriktionen sind meine Expeditionen ein wenig beeinträchtigt worden. Kurzbevor das Coronavirus über die Welt hereinbrach, hatten meine Lebensgefährtin und ich uns eine 10ha große Farm in Nordspanien, genauer Asturien, gekauft. Es war mein Lebenswunsch, irgendwo ein Naturparadies für Wildtiere errichten zu können, doch erst vor fünf Jahren bei einer Dokumentationsreise über Pardelluchse hatte ich mich so sehr in Spanien verliebt, dass ich wusste: Hier soll dieser Traum Wirklichkeit werden.

Südspanien, Andalusien, die Extremadura – das war alles viel zu heiß für mich. So hatten Katie und ich beschlossen, uns in Nordspanien umzusehen. So fiel unsere Entscheidung für Asturien. Hier haben wir unser kleines Stück vom Garten Eden gefunden und es „Wild Finca“ benannt.

Wir durchleben den sechsten Faunenschnitt. Das Artensterben hat gewaltige Dimensionen, besonders in Europa. Wir verlieren Wirbellose in katastrophalem Ausmaß. Eine Studie aus Deutschland besagt, dass über einen Zeitraum von 27 Jahren die Biomasse an Fluginsekten um 75% geschrumpft ist. Auch wenn sich diese Studie nur auf Deutschland bezieht, sind sich Wissenschaftler dennoch einig, dass das Ergebnis zumindest im Trend auf ganz Europa übertragbar ist. Hauptgründe sind die Vernichtung von Lebensraum und der Einsatz von Pestiziden, nicht nur in der Landwirtschaft, sondern auch im täglichen Hausgebrauch, wenngleich dort in geringerem Umfang. Ein solch katastrophaler Niedergang hat einen Dominoeffekt, der sich auf alle möglichen wildlebenden Tierarten auswirkt, beispielsweise auf insektenfressende Vögel wie Nachtigall, Mauersegler oder Schwalbe. Ihre Bestände nehmen ab, weil sie weder auf ihren Wanderungen noch in ihren Brut- oder Winterquartieren ausreichend Nahrung vorfinden.

Wir haben “Wild Finca” ins Leben gerufen, weil wir einen Lebensraum schaffen wollten, der nicht nur einer Vielzahl von Arten Heimstatt und Schutz bietet, sondern auch andere Menschen anregt, mit ihrem Stück Welt das gleiche zu tun. Wir hoffen, dass einige der Methoden, die wir nutzen, auch in anderen Maßstäben Anwendung finden können. So haben wir Insektenhotels an unserem Gemüsefeld stehen, die genauso gut auf einem Balkon platziert werden können. Das gleiche gilt für Vogel-Nisthilfen. Wir legen Insektenwälle an, die zum einen Windschutz für unsere Felder bieten, zum anderen aber wertvolles Habitat für Insekten sind, von denen sich wiederum Vögel, Säugetiere, Reptilien und Amphibien ernähren. Das sind kleine Schritte in einem kleinen, begrenzten Raum, und wir wissen genau, dass „Wild Finca“ nicht die Welt retten wird. Es ist ein 10-ha Projekt auf einem großen Planeten mit fast 15 Milliarden ha Landfläche. Aber unsere Hoffnung ist es, dass wir Menschen ermutigen können, ihr Denken zu ändern. Das treibt uns an. Wir bekommen gute Rückmeldungen, Menschen nehmen Kontakt mit uns auf und fragen, wie sie einige unserer Maßnahmen bei sich anwenden können. Eine Familie, die mit uns in Kontakt getreten ist, hat beschlossen, ihren grauenhaften Kunstrasen abzuschaffen und mit einem natürlichen Habitat zu ersetzen – auf einer 200ha-Farm im Südosten Englands!

Das ist der Motor unseres Projektes „Wild Finca“. Wenn unser kleines Stückchen Land Menschen dazu inspirieren kann, ein Mosaik solcher Lebensräume über Europa und womöglich auch noch andere Kontinente zu ziehen, dann haben wir das erreicht, was wir in Angriff genommen haben.

“Wild Finca” soll inspirieren. Corona hat das alles ein wenig erschwert. Darum haben wir versucht, unsere Botschaft in der virtuellen Welt mitzuteilen. Jeden Monat des Jahres 2021 haben wir einen Kurzfilm über das Leben hier gedreht, die Serie heißt „Notes from Wild Finca“.

Sie finden die Filme hier:

Januar: https://ko-fi.com/post/Notes-from-Wild-Finca–January-I2I349LWV
Februar: https://ko-fi.com/post/Notes-from-Wild-Finca–February-V7V84H45Q
März: https://ko-fi.com/post/Notes-from-Wild-Finca–March-M4M34RUEW
April: https://ko-fi.com/post/Notes-from-Wild-Finca–April-U7U5536K2

Da die Reiserestriktionen nun weitestgehend gefallen sind, freuen wir uns auf Besucher auf „Wild Finca“. Besuchen Sie unsere Website, um mehr über uns zu erfahren. Tragen Sie sich für unsere Newsletter ein, um auf dem Laufenden zu bleiben: https://www.wildfinca.com/ oder folgen Sie uns auf Instagram @wildfinca.

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