Die Reise auf ihrem Segelboot „Maverick too“ führte Johannes und Cati Erdmann von Deutschland aus über den Atlantik in die Karibik und dann über die Bahamas in den Norden der USA – immer mit dem Leica Geovid im Gepäck. Aus zwei Jahren wurden letztlich fünf Jahre. Statt einer Rückkehr in den Alltag kauften sie einen Katamaran und blieben drei Jahre in den Bahamas. Aus einem Paar wurde letztlich eine Familie. 40.000 Seemeilen später leben Cati und Johannes Erdmann heute mit ihrem Sohn Theo auf einem Katamaran im Hamburger Hafen.

Die allerletzte Schleuse öffnet sich und endlich liegt er vor uns: Der sagenumwobene Loch Ness. Seit vielen Jahren stand diese Reise auf meiner Bucketlist ganz oben: Einmal mit dem eigenen Boot durch den Kaledonischen Kanal und mitten durch die schottischen Highlands, um hier auf dem Loch Ness zu segeln. Dort, wo das Wasser so tief ist, dass das Echolot keine Antwort bekommt – bis zu 230 Meter tief.

Der mystische See wirkt heute seinem Ruf entsprechend: Das Wetter ist grau, mit seltenen Sonnenstrahlen. Das Wasser unter unserem Katamaran tiefschwarz. Kein Wunder, dass die Menschen seit vielen Jahrhunderten glauben, dass sich hier irgendwo ein Seeungeheuer versteckt. Möglichkeiten dazu hätte es genug. Natürlich handelt es sich bei diesen Geschichten um Seemannsgarn, das ist uns klar. Doch zur Sicherheit lassen wir den digitalen Fischfinder mitlaufen. Man weiß ja nie.

Bis zu 1,5 Kilometer ist der Loch breit und 37 Kilometer lang. Etwa sechs Stunden wird es dauern, bis wir ihn auf dem Weg nach Osten durchquert haben. Bei einer mittleren Tiefe von 132 Metern fasst er 7,4 km³ Wasser. Das ist so viel, wie alle anderen Seen Schottlands zusammen. Wahnsinn. Ein wenig Ehrfurcht schwingt mit, als wir hier die Segel setzen. Seit unserer Abfahrt auf den Bahamas und mit unserer Atlantiküberquerung haben wir zwar schon gut 4500 Seemeilen im Kielwasser, aber dieses Gewässer ist etwas besonderes.

Nirgendwo gibt es hier die Chance den Anker zu werfen. Unsere 70 Meter lange Kette ist nicht lang genug und der Haken würde einfach unter uns baumeln. Deshalb haben wir uns für die Nacht einen Zwischenstopp am Urquhart Castle ausgesucht, einer alten Burgruine aus dem 13. Jahrhundert. Doch gerade hier ist die Küste flach und felsig.

Die Einfahrt in den kleinen Hafen neben der Festung ist schwer auszumachen. Immer wieder versuchen wir die Einfahrt mit unserem Leica Geovid 8×42 HD-R auszumachen, um uns eine Vorstellung von der Einfahrt zu machen. Die Zeit scheint seit dem Mittelalter stehengeblieben zu sein. Die digitalen Karten sind hier im tiefsten Schottland ungenau und Lückenhaft. Wir verlassen uns auf eine Papierkarte.

Der Schiffskompass zeigt den Kurs, aber sind wir auf der richtigen Linie? Mit dem Fernglas können wir uns durch Entfernungsmessungen absichern. Dort ein markanter Felsen auf der Karte. Das Fernglas sagt, er ist 115 Meter weg. Ein Strich in der Kompassrichtung in die Karte und wir haben unseren Kurs aufs Ziel. Keine Hindernisse. Wir sind im tiefen Wasser. Sicher. Alle paar Minuten kontrollieren wir den richtigen Abstand zur Küste und kundschaften mit gestochen scharfem Bild den Hafen aus. Sind das Bojen, die den Weg weisen? Ja, die Einfahrt ist betonnt. Mit dem Fernglas können wir sie genau erkennen.

„Leinen an Backbord klar machen!“, gebe ich das Kommando, denn ich sehe schon aus der Ferne, dass dort ein Platz frei ist. Zehn Minuten später liegen wir sicher an der Pier. Ein guter Segeltag auf dem Loch Ness liegt hinter uns. Unglaublich, dass wir wirklich hier sind.

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