Das erste kommerzielle Leitz-Fernglas von 1907:
Wer sich für die Frühgeschichte der Sportoptik begeistert, findet im Leitz Binocle 6×18 ein wahres Juwel: das erste kommerzielle Fernglas, das jemals von E. Leitz Wetzlar hergestellt wurde – und zugleich eines der seltensten Modelle der gesamten Leitz-Historie. Das hier vorgestellte Exemplar trägt die außergewöhnlich niedrige Seriennummer 347 und ist das älteste bekannte Leitz-Fernglas weltweit. Bis heute sind überhaupt nur zwei Belegstücke dieses Typs dokumentiert.
Der Ursprung dieser technischen Rarität reicht weit zurück: Bereits 1849 gründete Carl Kellner in Wetzlar das optische Institut, das 1864 von Ernst Leitz übernommen wurde. Über Jahrzehnte konzentrierte sich das Unternehmen auf Mikroskope, Instrumente und später Kameras. Erst ab 1907 begann Leitz, auch zivile und militärische Ferngläser zu produzieren – ein Bereich, in dem das Unternehmen spätestens während des Ersten und Zweiten Weltkriegs eine bedeutende Rolle einnehmen sollte. Der Beginn dieser Entwicklung ist jedoch genau dieses Modell: das Binocle 6x.
Das 6×18-Fernglas wurde ab Mai 1907 in Serie gefertigt, jedoch nur in sehr kleinen Stückzahlen. Entsprechend selten sind heute erhaltene Exemplare. Das hier vorgestellte Stück, komplett mit originalem Riemen, besticht durch zahlreiche charakteristische Merkmale der frühen Leitz-Fertigung. So verfügt es über die für diese Epoche typischen gebogenen oberen Gehäusedeckel sowie eine offene Brücke ohne Steg. Auch die angeschraubten Riemenösen, die Klemmschraube zur Einstellung des Augenabstands und die feine Kreuzrändelung der Okulare zeugen von der handwerklichen Detailverliebtheit der Wetzlarer Konstrukteure.
Technisch basiert das Binocle 6×18 auf einem Porro-I-Prismensystem, das in einem außen angeschraubten Prismenstuhl sitzt – auf jeder Seite fixiert durch sechs Schrauben. Am rechten Deckel findet sich die Gravur „Binocle 6x“ sowie die Markierung „D.R.P.“ für Deutsches Reichspatent. Die geringe Objektivgröße von 18 mm macht das Fernglas erstaunlich kompakt: nur 10 cm breit, 11 cm hoch und 380 g schwer.
Bemerkenswert: Trotz seines Alters von über 115 Jahren bietet das Fernglas noch immer eine akzeptable optische Durchsicht. Damit vereint dieses historische Stück nicht nur extreme Seltenheit und große sammlerische Bedeutung, sondern auch ein faszinierendes Stück Leitz-Ingenieurskunst – der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die bis heute in den Sportoptiken von Leica fortlebt.